Sary-Tash – OSH - KAZARMAN – TASH RABAT – SONG KUL

Vorbei am über 7000m hohen Pik Lenin fahren wir nach Osh. Wir finden etwas ausserhalb ein schönes Hotel und lassen uns Pizza auf das Zimmer liefern. Dies stellt sich im Nachhinein als nicht allzu gute Idee heraus - Stambi verbringt die Nacht mit einer Lebensmittelvergiftung auf dem Klo.

Nach ein paar Tagen verlassen wir Osh. Auf einer Passstrasse Richtung Kazarman überholt uns ein dicker Benz, auf der Gegenfahrbahn kommt ein Laster entgegen. Eigentlich ein schlechter Zeitpunkt zum Überholen. Dies wird ihm wohl auch bewusst, als er Sekunden später aus seinem Auto steigt, traurig die Schramme und das fehlende Rücklicht an seinem Auto anschaut. Bei uns ist zum Glück ausser einem Kratzer an der Stossstange nichts passiert. Wir schütteln den Kopf, den Kirgisen die Hand und machen uns aus dem Staub, froh, dass nichts Schlimmes passiert ist.

Die Passstrasse führt uns durch bunte Täler mit grünen Wiesen und bunten Blumen, vorbei an Friedhöfen, die aussehen wie Ministädte. Auf halber Strecke hat man eine tolle Aussicht auf die Talebene, welche durch die Erosionen riesige Auswaschungen hat. Wir übernachten auf einer Wiese im Nirgendwo – umgeben von Murmeltieren und Pferden.

Eigentlich wollten wir zu einem kleinen See, nahe der chinesischen Grenze. Leider braucht man für diese Strecke ein Permit. Dieses ist zwar im etwa 100km entfernten Naryn zu bekommen, allerdings kann dies gut eine Woche oder mehr in Anspruch nehmen. Wir lassen es sein und fahren zum Song Kul See. Dieser liegt auf über 3000m und rund um den See haben bereits etliche Nomaden ihre Jurte für die Sommersaison aufgestellt.

Auf der Hochebene angekommen finden wir einen schönen Platz für unser Nachtlager. Allerdings fängt es in der Nacht dermassen zu stürmen, regnen und später sogar noch zu schneien an, dass wir mit klammen Fingern unser Dachzelt einklappen und ins Auto zügeln. Am nächsten Tag haben wir Sonnenschein und mindestens 20 Grad wärmer.


ISSYK KUL – CHONG ASHUU – Altyn Arashan - BaRSKOON

Nach drei Tagen Song Kul fahren wir an einen weiteren See: den Issyk Kul, die Perle des Tienschan, elf mal so gross wie der Bodensee. Er liegt am Fuss von zwei riesigen Gebirgsketten und ist wunderschön. Das Wetter ist immer noch regnerisch und als wir am Ufer des See ankommen, hagelt es sogar. Wir gönnen uns ein Hotel am Nordufer des Sees. Hier tummeln sich vor allem reiche Russen und Kasachen, welche am Issyk Kul die Sommerferien verbringen. Der Strand wäre eigentlich recht schön, die Temperaturen und der Regen laden allerdings nicht gerade zum Baden ein.

Wir fahren um den See herum auf die Südseite, hier wollen wir einige Tage wandern gehen. Ziel ist der Engilchek Gletscher. Auf halber Strecke zum Ausgangspunkt der Wanderung müssen wir aber bereits umkehren. Auf dem Pass tobt ein Schneesturm, der Wetterbericht für die nächsten Tage ist auch nicht viel besser. Schade. Wir entscheiden uns für die heissen Quellen bei Altyn Arashan. Für den ohnehin schon schlechten Weg dahin war der Regen in den letzten Tagen nicht wirklich förderlich. Im oberen Teil liegt teilweise knietiefer Matsch, mit Müh und Not schaffen wir die 12km in etwas mehr als 2 Stunden. Oben angekommen hat es viele kleine Hütten, in welchen Betonbecken das heisse Wasser sammeln, die man für ein paar Som mieten kann. Wir entscheiden uns für die wilde Quelle direkt am Fluss, die wir für uns ganz alleine haben.

Am nächsten Tag fahren wir die Strecke – leider immer noch bei Regen – zurück und und machen uns gleich auf den Weg in die nächste heisse Quelle. Diese war zu Sowjetzeiten ein Sanatorium, wahrscheinlich wurde sie auch seit dann nicht mehr wirklich gepflegt. Das Wasser ist immerhin frisch und heiss, draussen hat es ein Becken mit kaltem Wasser aus dem Fluss.

Weiter geht es auf den den Barskoon Pass. Die Strasse hier hoch ist sehr gut gepflegt, donnern hier doch jeden Tag dutzende Lastwagen mit tonnenweise Cyanid zu der - auf über 4000m über Meer gelegenen - Goldmine hinauf, um damit Gold aus dem Gestein zu lösen. Für die Einheimischen keine schöne Sache, wird doch dabei der Gletscher – welcher als Trinkwasserspeicher dient – zerstört, um an das Gold zu kommen. Von der Umweltverschmutzung, die aus dem chemischen Prozess und der davon übrig gebliebenen Schlacke herrührt, ganz zu schweigen. Die Umgebung auf dem Hochplateau ist trotzdem überwältigend; vor uns türmen sich Schneeberge und Gletscher auf, auf den Flächen hat es ein paar Nomaden mit ihren Jurten, riesige Adler kreisen über uns.


TAMGA – ISSYK KUL – SKAZKA – BURANA – BISHKEK

Nach so vielen Eindrücken brauchen wir eine Pause. In der Nähe von Tamga finden wir am Issyk Kul See einen einsamen Sandstrand. Wir bleiben einige Tage am See und geniessen das kühle Wasser bei Temperaturen über 30 Grad. Endlich kommt unser Gusseisentopf zum Einsatz und wir bereiten auf dem Feuer köstliche Mahlzeiten zu. Den einzigen Besuch erhalten wir von irgendwelchen Schiesswütigen, welche ein paar Mal mit einer Schrotflinte auf eine PET Flasche im See ballern. Am nächsten Tag bringen sie eine Pistole mit, mit welcher sich die Kinder vergnügen dürfen. Zum Glück ist das Spektakel jeweils nach ein paar Minuten beendet und Ruhe kehrt ein.

Nach vier Tagen am See fahren weiter, auf dem Weg zum Skazka Tal steckt ein Touristenbus bis zu den Achsen im Sand fest. Wir ziehen ihn heraus, doch der Fahrer denkt nicht ans Umkehren, sondern will erst mal weiter hoch, um dann zu wenden – um keine zehn Sekunden später wieder festzustecken. Etwas genervt versuchen wir ihm klarzumachen, dass wir ihn kein drittes Mal rausziehen werden und packen unseren Bergegurt ein. Mit etwas angekratztem Ego und jubelnden Touristen fährt er rückwärts zurück zum Parkplatz.

Nach einem kleinen Zwischenstopp beim Minarett von Burana kommen wir in Bishkek – der Hauptstadt Kirgistans - an. Dort verbringen wir ein paar schöne Tage mit gutem Essen, Stadtsightseeing und dem Auffüllen unserer Vorräte.


BISHKEK – SON KUL – TOSOR PASS - ISSYK KUL - KASACHSTAN

Über die Suusamyr Ebene fahren wir zum Toktogul Stausee. Leider haben wir mal wieder schlechtes Wetter und müssen im Auto übernachten. Plötzlich sind wir inmitten eines Gewitters, um uns herum blitzt und donnert es. Wir sind froh, als es ein paar Minuten später weiterzeiht, schlafen aber trotzdem im Auto.

Via Kyzyl Oi fahren wir erneut an den Song Kul See. Wir hoffen hier auf Carmen und Sandro, welche gemeinsam mit Sandros Mutter Heidi für drei Wochen in Kirgistan und Kasachstan sind, zu treffen. Eigentlich haben wir erst einen Tag später in Naryn abgemacht, wissen aber, dass sie irgendwo in der Nähe vom Song Kul See sind. Wir halten Ausschau nach ihrem Auto und tatsächlich sehen wir es ein wenig später bei einer Jurte stehen. Die Freude ist riesig, wir quartieren uns auch gleich in einer Jurte ein und freuen uns über das Paket aus der Heimat, welches sie uns mitbringen. Während es draussen regnet, sitzen wir in der warmen Jurte, trinken guten Wein, essen endlich wieder Schweizer Schokolade und erzählen einander aus dem vergangenen halben Jahr.

Die nächsten Tage verbringen wir gemeinsam mit ihnen und machen uns auf den Weg Richtung Tosor. Hier sind Sandro und Carmen das letzte Jahr im Schnee stecken geblieben und konnten den Pass nicht überqueren. Diesmal geht alles gut; wir finden einen super Platz für unser Nachtlager, kommen problemlos über den Pass auf über 3800m und werden auf der anderen Seite von Einheimischen auf Tee und Kumis (vergorte Stutenmilch) eingeladen.

Nach zwei weiteren Tage am Issyk Kul See, welche wir mit Nichtstun geniessen, machen wir uns auf Richtung Kasachstan.