Nordinsel

Bereits am Flughafen in Tokyo erwartet uns die erste Überraschung; ohne gültiges Rückflugticket dürfen wir gar nicht erst für den Flug nach Auckland einchecken. Also fix zwei Tickets im Internet gekauft und eingecheckt. Da wir länger als drei Monate in Neuseeland bleiben, brauchen wir ein Visa. Easy, denken wir, ein bisschen Bürokratie waren wir uns von den Grenzübergängen in den ehemals sowjetischen Ländern ja gewohnt. Aber sechs Seiten ausfüllen, Bankbelege und alle Arbeitgeber angeben, mussten wir bis jetzt dann doch noch nie.
Das Schiff mit unserem Auto braucht ein wenig länger als geplant, wir nutzen die Zeit, den Papierkram zu erledigen und eine Autoversicherung zu besorgen. Ein paar Tage später ist der Container entladen, der Bioinspektor ist mit der russischen Reinigung zufrieden und unser Auto wird nach 5minütiger Prüfung als Strassenverkehrstauglich befunden.

Wir machen uns auf Richtung Norden, unser Ziel ist die 90 Mile Beach. Wir vermissen hier die Freiheiten, welche wir in den bisherigen Ländern hatten. Einfach an einem Ort zu campen, wo es uns gefällt, ist hier leider nicht mehr möglich. Übernachtet darf in Neuseeland nur an den dafür vorgesehen Plätzen werden. Wir sind mitten in der Hochsaison hier und - zumindest die leicht zugänglichen Plätze - sind meist mit Wohnmobilen übersät. Unsere Herausforderung für die nächsten Wochen besteht darin, ruhige Plätze zu finden an welchen man nicht frühmorgens von Casper geweckt wird, welcher aus Nachbars Handy scheppert.
Bei Ebbe kann man die 90 Mile Beach entlang fahren, allzu viel ist hier aber nicht los und wir geniessen die Ruhe an dem schönen Strand. Der Teil hier oben im Norden gefällt uns super, einzig die lästigen Sandfliegen trüben die Strandfreude etwas.

Für „Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ diente Neuseeland zu einem grossen Teil als Kulisse. Wir besuchen Hobbiton, das Filmset von „Der Hobbit“, eigentlich ganz schön und interessant, aber es hat dermassen viele Leute, dass man vom Guide praktisch durch das Gelände gejagt wird, bevor die nächste Gruppe kommt.
Wir entschliessen uns, das nächste Touri-Highlight, die Waitomo Caves mit ihren Glühwürmern,  auszulassen und finden eine andere Höhle, welche wir mit nur einer Hand voll anderen Leuten besuchen. Sobald die Stirnlampen aus sind und sich die Augen ein wenig an die Dunkelheit gewohnt haben, wähnt man sich unter dem Sternenhimmel.

Nächster Stopp: Tongariro Crossing. Eine 20 Kilometer lange Wanderung durch wirklich schöne Vulkanlandschaften. Auch wenn man hier alles andere als alleine ist – Hunderte von Wanderern sind mit uns unterwegs – schön und lohnenswert ist die Wanderung allemal.
Die nächste geplante Wanderung auf den Mount Taranaki nehmen wir aufgrund des andauernd schlechten Wetter gar nicht erst in Angriff und machen uns auf den Weg Richtung Süden.

Südinsel

Wegen des starken Erdbebens im November sind einige Orte an der Ostküste nicht, oder nur sehr mühsam erreichbar. Wir fahren erst Mal die Westküste entlang Richtung Süden. Hier treffen wir immer mal wieder auf Keas - eine Papageienart - welche vor allem gut darin ist, Dinge kaputt zu machen. Am liebsten mögen sie Plastikteile am Auto, welche sie mit ihrem Schnabel innert kürzester Zeit zerlegen. Lustig zuzuschauen, solange es ein fremdes Auto ist.

Über den Arthurs Pass gelangen wir auf die Ostküste. Hier finden wir am Ende eines Tales eine einsame Jagdhütte und geniessen einen Tag Ruhe an dem abgelegenen Ort. Endlich wird auch das Wetter besser, wir nutzen die Zeit für einen Badestopp am Lake Pikaki mit seinem türkisen Wasser. Ein paar Tage später sind wir in Mount Cook Village, welches direkt an zwei Gletschermoränen liegt. Um dem Touristenstrom zu entkommen, machen wir eine zweitägige Wanderung zum Sefton Bivak, welches eindrücklich auf einem Felsvorsprung direkt neben einem Gletscher liegt. Unsere Mühe wird mit schönem Wetter beim Aufstieg und grandioser Aussicht belohnt.

Weihnachten feiern wir am Lake Ohau, an welchem wir zum ersten Mal die Fischerrute auspacken und sogleich mit einem dicken Fisch zum Nachtessen belohnt werden.

Über den Lindis Pass fahren wir nach Queenstown. Hier wollen wir nur noch schnell weg, unglaublich viele Leute und Attraktionen aus den 90ern - Bungy Jumping und Jetboat fahren können uns gestohlen bleiben. Am Abend nehmen wir noch rasch die lohnende Wanderung auf den Roys Peak unter die Füsse, bevor wir den Menschenmassen wieder entfliehen und am hintersten Ende des Tales einer alten Goldgräberstadt ein ruhiges Plätzchen finden.
Unser Weg führt nun die Westküste entlang hoch, wir machen die obligate Bootstour in Milford Sounds, bevor wir die beiden Gletscher Fox und Franz Josef besuchen – diese sind in den letzten Jahren recht zurückgegangen und nicht wirklich wahnsinnig schön anzuschauen.
Die Zeit auf der Südinsel neigt sich dem Ende zu, über die Rainbow Road fahren wir Richtung Picton, von wo unsere Fähre zurück auf die Nordinsel geht.

Nordinsel & Tonga

Zurück auf der Nordinsel geniessen wir noch ein paar Tage mit schönem Wetter am Strand und besuchen das Thermalgebiet bei Rotorua. Da wir am Ende der Reise noch fast unser Auto im Meer versenkt hätten – aber das ist eine andere Geschichte – haben wir genug vom Autofahren, buchen eine Woche Badeferien auf Tonga und verabschieden uns das erste Mal von Neuseeland.

Auf Tonga geniessen wir die letzten Tage an der schönen Südsee mit Sonnenbaden (wenns nicht grad regnet), Schnorcheln und Kayakfahren, bevor wir uns schon bald auf den Weg nach Hause machen.